Wenn sich Feuchtigkeit im Mauerwerk einnistet

Schon den alten Römern war das Problem bekannt: aufsteigende Feuchte im Mauerwerk. Und schon die Römer haben – nach einem ähnlichen Prinzip wie heute – Abdichtungen knapp über dem Erdreich angebracht, um das Aufsteigen der Feuchte im Mauerwerk zu verhindern.

Leider kommt es oft vor, dass bei Sanierungen der Schaden vergrößert wird.

 

Wir empfehlen folgendes Vorgehen:

Schadensbild analysieren:  

Mauerschäden haben oft mehrere Ursachen. Sickerwasser, Schlagregen, Temperatur-Wechselwirkungen, Sättigungsdampfdruck und Salzgehalt sind die häufigsten. Wer Feuchte im Mauerwerk entdeckt, sollte das Schadensbild analysieren und vor der Sanierung eine Ursachenanalyse erstellen lassen. Nur dann kann sichergestellt werden, dass die Sanierung dauerhaft Erfolg hat.

 

Schadensanalyse – Anfangs- oder Sanierungskosten sparen?  

Das Wichtigste ist die Messung von Feuchtegehalt in Prozent (Durchfeuchtungsgrad) und die Bestimmung der Versalzung (Sulfate, Chloride, Anionen, Nitrate). Für den „Zahlmeister“ ist das Ergebnis wichtig. Wird bei den Anfangskosten gespart, dann kann sich dies bei der Umsetzung der Sanierung durch Mehrkosten beziehungsweise weniger Erfolg am Ende negativ auswirken.

 

Ausgrenzungsverfahren:  

Die Voruntersuchungen werden auf einzelne Mauerwerke (Putz, Mörtel, Stein und unterschiedliche Stellen) begrenzt. Mittels Messung des elektrischen Widerstandes werden Feuchtegehalt und Salzkonzentrat ermittelt. Die Untersuchungen werden auf ein Minimum begrenzt, und trotzdem werden gesicherte, verlässliche Werte ermittelt.

 

Horizontalsperre einbauen:  

Dies ist meistens die kostengünstigste Lösung. Knapp über dem Erdreich wird per mechanischem Verfahren oder per Injektionsverfahren eine Sperre errichtet, damit die Feuchte nicht aufsteigt. Keller beziehungsweise Fundament bleiben dann (bei günstigster Variante) im bisherigen Zustand. Es bedarf einer besonderen Entscheidung, ob dort Maßnahmen ergriffen werden sollen. Oft kommt es vor, dass solche „typische Feuchtmauerwerke“ nach Trockenlegung in kurzer Zeitfolge Risse und Verstaubungsschäden aufweisen, deshalb ist Vorsicht geboten!

 

Mechanische Verfahren:  

Der Erfolg der mechanischen Sanierung ist weitgehend vom handwerklichen Können abhängig, Umweltgefahren sind unwahrscheinlich. Der Abdichtungsgrad ist hoch. Kosten können insbesondere durch Demontagen aller Wandinstallationen umfangreich werden.

 

Mauersägeverfahren:  

Auch extrem dicke Mauern können einwandfrei abgedichtet werden. Durch Seilzugsägen, Schwertsägen oder Kreissägen werden Hohlrisse für Einlagen aus korrosionsbeständigen Stahlblechen oder Kunststoffplatten geschaffen. Der Nachteil dieses Verfahrens: Es werden beim Sägen große Mengen Wasser zusätzlich ins Mauerwerk gelangen. Das Mauerwerk wird praktisch in zwei Teile geteilt (Ober- und Unterteil).

 

Rammverfahren:  

Dieses Verfahren ist nur bei lagerfugigem Mauerwerk geeignet. Es werden in die Lagerfugen korrosionsbeständige Bleche eingetrieben. Die Stöße müssen überlappend eingelegt werden.

 

Kernbohrverfahren:  

Dies ist für die meisten Mauerwerke geeignet (Ausnahmen: Großkiesel und Granit). In bestimmten Abständen werden Kerne in das Mauerwerk herausgebohrt. Diese Kerne werden mit verschiedenen Mörteln oder Spezialbeton wieder verfüllt. Anschließend werden sie zwischen Bohrungen gesetzt und entsprechend behandelt wie zuvor. Das Verfahren ist wegen des hohen Preises weniger beliebt, die Ergebnisse aber meistens einwandfrei.

 

Injektionssysteme:  

Sie werden in drei gängigen Hauptgruppen angeboten: verfüllendes Verfahren, hydrophobierende Verfahren, kombinierte Verfahren. Alle diese Verfahren machen sich zu Nutze, dass alte Mauerwerke meistens eine totale Sperre gegen Feuchtigkeit nicht benötigen. Eine bestimmte Eigenfeuchte des Mauerwerks ist notwendig damit dieses nicht austrocknet und zerfällt. Deshalb sind diese Verfahren eine gute Alternative, die Unvollkommenheit kann gerade erwünscht und mauerwerkerhaltend wirken.
Bei den Injektionssystemen sind die Vorgehensweisen ziemlich identisch. Es werden Bohrlöcher benötigt (nicht weiter als 15 Zentimeter voneinander entfernt). Die Bohrtiefe beträgt zirka zehn Zentimeter weniger als die Wandstärke. Die Injektionen werden entweder drucklos (Eingießverfahren) mit Niederdruck, Mitteldruck oder Hochdruck eingebracht. Sie bewirken – vereinfacht ausgedrückt – ähnlich einer Verästelung eines Baumes, dass die aufsteigende Feuchte an den Knoten der Injektion stehen bleibt. Durch die Abstände der Injektionsstellen geht Feuchtigkeit durch, aber am darüberliegenden, versetzten Knotenpunkt erfolgt wieder ein Stopp. Die Wirkungen sind meistens planmäßig gut.

MauerfeuchteRisse 374-x-226-Pixel Rechteck kl

 

Statische Rissinjektionen:  

Bei Rissen im Mauerwerk gilt grundsätzlich: Eine kraftvoll ausgeübte Rissschließung kann nur sinnvoll sein, wenn die Ursachen der Risse bekannt und diese auch behoben sind. Andere Vorgehensweisen führen zu neuen Schäden. Zum Schließen von Rissen im Mauerwerk werden seit Jahren erfolgreich zweikomponentige Epoxidharze eingesetzt. Die Qualität des Produkts zeigt sich beim Aushärten. Das Material muss in kleinen Haarrissen ebenso einwandfrei aushärten wie in großen Hohlräumen. Mit unterschiedlichen Harzen zu arbeiten, wird von vielen Fachleuten nicht empfohlen, weil die Übergänge von Hohlräumen in Mikrorisse nicht überschaubar und ein Materialwechsel deshalb nicht kontrolliert eingebracht werden kann.

 

Salzumwandlung – Entsalzung:  

Diese erfolgt teilweise immer noch mittels Einsatz von Bleiverbindungen, ist aber nicht zu empfehlen. Leichtlösliche Salzverbindungen werden zu hochgiftigen Schwersalzlösungen umgewandelt, der Erfolg steht in ungünstigem Verhältnis zu den Risiken. Deshalb werden heute (von Fachbetrieben) elektrophysikalische Verfahren oder sogenannte Kompressen eingesetzt. Die Methode wird als Langzeitbehandlung verkauft und angewandt, es entstehen längere Bauphasen und oft hohe Kosten. Vorteil: geringe mechanische Einwirkungen.

 

Woher kommt die Feuchte?

Erste Hinweise bietet die Stelle, wo die Feuchtigkeit festgestellt wird. Befindet sich diese an einer kalten Stelle (Kältebrücke, Betonsturz, nicht isolierte Außenwand oder ähnliches), könnte die Feuchte von Innen kommen. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit tragen als kalte Luft. Die Luft enthält immer einen gewissen Anteil an Wasserdampf (relative Feuchte). Trifft die warme Luft auf kalte Stellen, dann bildet sich an dieser Stelle Kondenswasser, weil durch das Abkühlen der Luft, Feuchtigkeit an die Wand (kalte Stelle) abgegeben wird. Im weiteren Verlauf wird hier Schimmel und Fäule entstehen.

 

Folgende Gebäudeschäden begünstigen Feuchte im Mauerwerk:

  • Regenrinne ist verstopft oder undicht
  • Anschlüsse von Balkon, Schornstein, Pfeiler, Beton- und Stahlträger etc.
  • Wurzel-Einwüchse im Mauerwerk
  • regelmäßige Spritzwassereinwirkungen
  • Rohrbruch, Rohrverstopfung, Abflussverstopfung
  • Horizontalsperre im Mauerwerk fehlt oder ist fehlerhaft
  • Schadhafte Anschlüsse bei Dachaufbauten, Erker usw

 

Mauertrocknung 374-x-226-Pixel Rechteck kl

Feuchte Keller im Sommer

Warme Luft kann viel Feuchte tragen bei anhaltend warmer Wetterlage kann durch offene Fenster und Tore diese Warmluft in kühle Kellerräume eindringen und dort die Feuchte abladen. Eisenregale, Wasserleitungsrohre usw. beschlagen teilweise so stark, dass sogar Tropfenbildung entsteht. In diesem Fall sollte unbedingt weniger über geöffnete Fenster gelüftet werden. Eine maschinelle Lüftung sollte hier überlegt werden. Das Aufstellen von Behältern mit Viehsalz und Sand kann ebenfalls die Feuchte aufnehmen.

 

Tipp-Liste: Wie verhindere ich Feuchte?

  1. Kellerwände besser von außen abdichten
  2. Mauerkronen abdecken
  3. Reparaturen besser ausführen
  4. Dämm-Material genau einbauen
  5. kein Schwitzwasser an Innenleitungen aufkommen lassen
  6. Innenleitungen abdichten
  7. keine Kältebrücken durch metallenes Befestigungsmaterial (Schilder oder ähnliches beseitigen und andere Befestigungsform anbringen)
  8. richtiges Nutzerverhalten

 


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