Anzeige

Blitzschutz in Zelten und bei Freiluftveranstaltungen

Pro Jahr gibt es im Norden Deutschlands durchschnittlich an 15 Tagen Gewitter und im Süden sogar an 35 Tagen.
Blitze können schwere Schäden und auch Verletzungen verursachen. Daher sind Sicherheitsvorkehrungen speziell für öffentliche Veranstaltungen unerlässlich.

Wie sich Besucher von Großveranstaltungen bei einem Gewitter im Freien richtig verhalten, welche Maßnahmen die Veranstalter von Konzerten oder Sportveranstaltungen treffen sollten, darüber informiert das VDE-Merkblatt “Blitzschutz bei Veranstaltungen und Versammlungen” (im Juni 2013 erschienen, weitere Hinweise dazu siehe unten, im vorletzten Absatz).

Der Vabeg-Entwickler Michael Öhlhorn trat bereits im Februar 2011 an den VDE ABB heran, um Lösungen und Know How für das Thema zu entwickeln. Am 05.10.2011 startete der Arbeitskreis mit dem ersten Treffen, welcher im Mai 2013 nun mit dem Merkblatt und einer enorm effektiven Verfahrensweise einen neuen Stand der Technik bildeten. Zu dem Arbeitskreis gehörten ebenso mehrere Experten aus der Praxis, wie zum Beispiel ein Vertreter von Röder Zeltsysteme sowie Herr Schlatter von der HVS GmbH.

Enormes Schadenspotential

Die Experten erläutern Gefahrenlagen und geben Empfehlungen für Schutzmaßnahmen.
Das Merkblatt bietet eine systematische Vorgehensweise, die für alle Arten von Veranstaltungen angewendet werden kann. Denn schnell kann es zum Unglück kommen: Im Sommer 2012 starben vier Menschen bei einem Blitzunfall auf einem Golfplatz in Hessen, zuletzt gab es 39 Verletzte beim Vatertagsfest in Dabel / Mecklenburg-Vorpommern. Von 1979 bis 2012 wurden bei Veranstaltungen im Freien über 1.400 Blitzunfälle registriert. Dabei verloren 30 Personen ihr Leben, mindestens 636 wurden verletzt.
Das enorme Schadenspotential durch Blitzeinwirkung erfordert eine professionelle Herangehensweise, oder eine rechtzeitige Unterbrechung der Veranstaltung mit Räumung in Schutzbereiche.

Die Experten des Arbeitskreises von u.a. Siemens, VDE, OBO Bettermann definieren in dem Merkblatt ebenso ein mögliches Schadenspotential. Demnach besteht ein enormes Risiko durch die Schrittspannungsgefahr. Eine Person nimmt bei einer Blitzeinwirkung im Umfeld, mit den Beinen eine „Schritt“-Spannung auf – ein Teil des Blitzstroms fließt durch den Körper. Dies kann im Umkreis von bis zu 30 m und mehr rund um den Eintritt in den Erdboden lebensgefährlich sein! Dies entspricht einer Kreisfläche von 2800 m². Bei einer Personendichte von 2 bis 4 Personen/m2 (z. B. im unmittelbaren Vorbühnenbereich) sind 5.000 bis 10.000 Personen akut gefährdet.

Blitzschutz: Vorbereitungen und Planung für Veranstaltungen

Um Blitzschutzmaßnahmen im Vorfeld einer Veranstaltung einzuleiten, müssen zunächst die gefährdeten Bereiche auf dem Veranstaltungsgelände identifiziert und das Risiko pro Bereich bewertet werden. Dabei wird zwischen der Gefährdung durch direkten Blitzschlag, Überschlag, Berührungsspannung, Schrittspannung, Überspannung und der Gefährdung durch Publikumsreaktionen (z.B. Hysterie) unterschieden.
Ein freistehender Baum in einem Publikumsbereich etwa wird gegenüber dem restlichen Bereich separat bewertet, weil eine erhöhte Gefährdung durch Überschlag besteht.

Die so ermittelten geschützten oder gefährdeten Bereiche werden in einem Blitzgefahrenplan dargestellt. In einer umfangreichen Tabelle werden Schutzmaßnahmen beschrieben, die zwei Kategorien zugeordnet werden können:

  • Technische Maßnahmen wie Blitzschutzsysteme, Erdung, Potentialausgleich usw.
  • Organisatorische Maßnahmen wie Sicherheitskonzept, Blitzgefahrenplan (siehe Beispiel links), Alarmierung etc.

Neben Freiflächen betrachten die Experten insbesondere Zelte und beschreiben Bedingungen, wann diese ähnlich wie eine Blitzschutzanlage wirken. Detailliert werden die im Veranstaltungsbereich genutzten Bodenbeläge aufgeführt und hinsichtlich ihres Schutzes vor Blitzwirkungen bewertet. Für eine umfassende Planung der Blitzschutzmaßnahmen wird eine Blitzschutzfachkraft, am besten mit einer Zusatzqualifikation im Bereich Blitzschutz für Veranstaltungen, empfohlen.

Ausbildung zur Blitzschutzfachkraft

Im April 2014 wurden erstmalig Veranstaltungs-Sicherheitsfachpersonen als Blitzschutzfachpersonen für Versammlungen und Veranstaltungen ausgebildet, um dem Markt ganzheitliche und praxisverständliche Blitzgefahrenpläne und Bewertungen erstellen zu können.
Als Beispiel sind im Merkblatt sowie in dem Anhang, Musterveranstaltungen aufgeführt wie diese aussehen können. Die Blitzgefahrenpläne und Anweisungen in dem VDE Merkblatt wurden von dem Vabeg Entwickler Michael Öhlhorn erstellt.

 

Download & Seminar

Das VDE-Merkblatt “Blitzschutz bei Versammlungen und Veranstaltungen” ist kostenfrei im Infocenter des VDE erhältlich. Sie richten sich an Planer und Errichter von Blitzschutzsystemen, Veranstalter von Straßenfesten und Events verschiedenster Art, an Behörden, Planer, Verantwortliche und Fachkräfte, Errichter und Betreiber von Versammlungsstätten- und Orten.
www.vde.com/blitzschutz-veranstaltungen

Das Seminar wird zukünftig als VDE|ABB-Seminar bei verschiedenen Seminaranbietern durchgeführt.
Weitere Informationen unter: www.vde.com/blitzschutzseminare


Weitere Themen


 

Alte Kaminöfen müssen bis Ende Dezember 2014 raus!

Kaminöfen, Kachelöfen und Herde erhöhen in der kalten Jahreszeit den Wohnkomfort enorm. Doch künftig müssen strengere Auflagen erfüllt werden.

mehr lesen

 

Neue Richtlinien für den Winterreifenkauf

Bevor man es vergisst, es ist wieder soweit: „Von O bis O“, sagt der Reifenexperte und erinnert uns mit dieser Eselsbrücke daran, dass wir unseren Wagen von Oktober bis...

mehr lesen

 

Wieviel Gas ist noch in der Flasche?

Ob Fastnachtsumzug, Stadtfest oder Tag der offenen Schule – früher oder später sind die Gäste hungrig. Beim Grillen und Aufwärmen von Speisen und Getränken im Freien behelfen sich viele...

mehr lesen

 

Heiß oder kalt?

Sollten öffentliche Gebäude klimatisiert werden?

mehr lesen


30. April 2014


1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne

(0,00 bei 0 Person/en)

Das könnte Sie auch interessieren


17 Jahre “Abfallratgeber Bayern”

Der „Abfallratgeber Bayern“ (ARBA) ist ein Online-Informationssystem (www.abfallratgeber-bayern.de) des bayerischen Staatsministeriums für Umwelt- und Verbraucherschutz und des bayerischen Landesamtes für Umwelt. Der ARBA wurde Ende der 90er Jahre entwickelt...

mehr lesen